Arbeitszeit & Vereinbarkeit von Beruf & Privatleben

Fle­xi­ble Arbeits­zeit­mo­del­le oder früh­zei­ti­ge Dienst­pla­nung – klingt gut, aber wie umset­zen? Lass dich von Lösungs­vor­schlä­gen aus der Bran­che inspi­rie­ren!

Lösungsvorschläge

Besser als das Minimum – Arbeitszeitenregelungen über dem gesetzlichen Minimum

  • Der Betrieb kann eine gerin­ge­re Wochen­ar­beits­zeit ein­füh­ren (z. B. 41h-Arbeits­wo­che in Ganz­jah­res­be­trieb).
  • Damit alle Mit­ar­bei­ten­den vor Mit­ter­nacht zu Hau­se sein kön­nen, wird das Arbeits­en­de fest­ge­legt und etwas vor­ver­legt (z. B. Küche schliesst um 22 Uhr und Arbeits­en­de ist um 23 Uhr).
  • Der Betrieb kann etwas mehr Feri­en im Jahr anbie­ten (z. B. 6 Wochen Feri­en im Jahr).

Gesetzlichen Spielraum für flexible Arbeitszeitmodelle nutzen

  • Der Betreib bie­tet den Mit­ar­bei­ten­den alter­na­ti­ve Arbeits­zeit­mo­del­le als Opti­on an, wie z. B.
    • 4‑Ta­ges-Arbeits­wo­che.
    • Jah­res­ar­beits­zeit mit Mög­lich­keit, vor­zu­ar­bei­ten und die­se Stun­den spä­ter zu kom­pen­sie­ren.
  • Schich­ten kön­nen umor­ga­ni­siert wer­den, z. B. Zim­mer­stun­de strei­chen und Zeit für Vor­be­rei­tun­gen nut­zen (z. B. in der Küche mehr vor­pro­du­zie­ren und schock­ge­frie­ren).
  • Der Betrieb kann den Mit­ar­bei­ten­den ermög­li­chen, bei per­so­nel­len oder fami­liä­ren Ereig­nis­sen die Arbeit spä­ter zu star­ten oder frü­her zu been­den (z. B. bereits 15 Minu­ten fle­xi­ble Arbeits­zeit kön­nen einen Unter­schied machen).
  • Den Mit­ar­bei­ten­den kön­nen län­ge­re Abwe­sen­hei­ten von der Arbeit ermög­licht wer­den (z. B. Mög­lich­keit für unbe­zahl­te Feri­en anbie­ten).

Frühzeitige und auf Bedürfnisse der Mitarbeitenden und des Betriebs angepasste Dienstpläne und Abwesenheitspläne

  • Der Betrieb kom­mu­ni­ziert die defi­ni­ti­ven Dienst­plä­ne früh­zei­tig (z. B. einen Monat im Vor­aus).
  • Dienst­plä­ne ent­hal­ten fixe Arbeits­ta­ge und fixe Abwe­sen­heits­ta­ge, die mit dem Team koor­di­niert wer­den.
  • Aty­pi­sche Arbeits­zei­ten (Früh‑, Abend‑, Wochen­end- und Fei­er­tags­ein­sät­ze) wer­den im Team koor­di­niert.
  • Mit­ar­bei­ten­de wäh­len zwi­schen Zim­mer­stun­de oder Durch­dienst.
  • Mit­ar­bei­ten­de tau­schen kurz­fri­sti­ge Anpas­sun­gen direkt unter­ein­an­der ab und infor­mie­ren die Lei­tung (z. B. mit­tels Job­Do­ne oder einer Excel-Tabel­le).

Optimierte Kompensation von kurzfristigen Personalausfällen

  • Der Betrieb kann kurz­fri­sti­ge Aus­fäl­le bes­ser kom­pen­sie­ren,
    • wenn inter­es­sier­te Mit­ar­bei­ten­de sich für Tätig­kei­ten in ande­ren Berei­chen qua­li­fi­zie­ren und so bei Aus­fäl­len ein­sprin­gen kön­nen (Wich­tig: Die Arbeits­last darf dadurch nicht inten­si­viert wer­den).
    • indem auf einen Pool inter­es­sier­ter, fle­xi­bler Mit­ar­bei­ten­den zurück­ge­grif­fen wird (z. B. Mit­ar­bei­ten­de kön­nen Ein­ver­ständ­nis geben, dass sie für kurz­fri­sti­ge Ein­sät­ze an ande­ren Stand­or­ten ange­fragt wer­den dür­fen).

Optimierte Kompensation von Über- und Minusstunden

  • Den Bezug von Über­stun­den kön­nen Mit­ar­bei­ten­de selbst wäh­len (z. B. Aus­zah­lung, zusätz­li­che freie Tage). Vor­aus­set­zung: weni­ger als 200h Über­stun­den (sie­he L‑GAV Art. 15).

Das Berg­ho­tel «Blau­er Enzi­an» und der städ­ti­sche Betrieb «Zum Schlüs­sel» haben Minus­stun­den ver­rin­gert, indem sie die Aus­la­stung in der Neben­sai­son erhöht haben. Das Berg­ho­tel bie­tet neu Ange­bo­te spe­zi­fisch für pen­sio­nier­te Per­so­nen an. Der städ­ti­sche Betrieb «Zum Schlüs­sel» beher­bergt neu im Win­ter obdach­lo­se Per­so­nen, nach­dem der Betrieb eine Anfra­ge von der Gemein­de erhal­ten hat.

Förderung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben

  • Der Betrieb unter­stützt Mit­ar­bei­ten­de bei beruf­li­chen und pri­va­ten Anlie­gen, z. B. bie­tet er Fol­gen­des an:
    • inter­ne Bera­tungs­an­ge­bo­te
      • Offe­nes Ohr und Unter­stüt­zung oder inter­ne Sprech­stun­de für pri­va­te Ange­le­gen­hei­ten (z. B. bei Fra­gen zu Bewil­li­gun­gen, Ver­si­che­run­gen, Woh­nungs­wech­sel).
    • exter­ne Bera­tungs­an­ge­bo­te
      • an die sich Mit­ar­bei­ten­de mit Fra­gen und Anlie­gen zu allen Lebens­be­rei­chen wen­den kön­nen (z. B. movis, Lyra).
  • Es kön­nen Ver­gün­sti­gun­gen ange­bo­ten wer­den, um Betreu­ungs­ko­sten abzu­fe­dern (z. B. Betreu­ungs­gut­schei­ne, Ein­kaufs­gut­schei­ne).

Die Hotel­ket­te «Star» betei­ligt sich mit meh­re­ren Betrie­ben und der Gemein­de an einer Kita, die auch abends offen hat. Es wer­den Kin­der von Mit­ar­bei­ten­den und von Gästen betreut. Die Hotel­ket­te lässt sich bei Fra­gen zur Ver­ein­bar­keit von Beruf und Fami­lie von der Fach­stel­le UND bera­ten.

Aus der Praxis

Die Hotel­ket­te «Star» möch­te die Ver­ein­bar­keit von Beruf und Pri­vat­le­ben ver­bes­sern und setzt bei den Arbeits­plä­nen an. Die Dienst­plä­ne wer­den vier Wochen im Vor­aus gemein­sam mit den Mit­ar­bei­ten­den defi­niert. So kön­nen indi­vi­du­el­le Wün­sche soweit als mög­lich berück­sich­tigt wer­den.

Wenn Isa­bel­la kurz­fri­stig einen Dienst nicht wahr­neh­men kann, spricht sie sich direkt mit ihren Kolleg:innen ab. Isa­bel­la hat nun zwei­mal im Monat am Mitt­woch frei. Ihr Kol­le­ge Hakon ist froh, dass er die Mög­lich­keit hat, bei Bedarf eine Vier­tel­stun­de spä­ter zur Arbeit zu kom­men oder etwas frü­her zu gehen. Dadurch ist er etwas fle­xi­bler bei der Orga­ni­sa­ti­on der Kin­der­be­treu­ung. Oks­a­na besucht tags­über einen Deutsch­kurs und arbei­tet des­halb jeweils abends. Sie schätzt es, dass die Schicht spä­te­stens um 23 Uhr endet, sodass sie vor Mit­ter­nacht zuhau­se ist. Die Dien­ste am Wochen­en­de oder an Fei­er­ta­gen wer­den im Team abge­spro­chen, wobei die Wün­sche mög­lichst aller berück­sich­tig wer­den. Zudem rei­chen die Mit­ar­bei­ten­den ihre Feri­en­wün­sche früh­zei­tig ein, damit die­se min­de­stens ein hal­bes Jahr im Vor­aus bestä­tigt wer­den kön­nen.

So ist die Rechtslage

  • Die durch­schnitt­li­che wöchent­li­che Arbeits­zeit beträgt für alle gast­ge­werb­li­chen Mit­ar­bei­ten­den höch­stens (L‑GAV Art. 15, Ziff. 1):
    • 42 Stun­den (all­ge­mein)
    • 43.5 Stun­den (Sai­son­be­trie­be*)
    • 45 Stun­den (Klein­be­trie­be**)
  • Über­stun­den, die die ver­ein­bar­te Arbeits­zeit über­schrei­ten, müs­sen aus­be­zahlt oder durch gleich lan­ge Frei­zeit aus­ge­gli­chen wer­den (L‑GAV Art. 15, Ziff. 4; sie­he Über­stun­den und Über­zeit­ar­beit beim Abschnitt zur Rechts­la­ge bei «Ein­kom­men & ande­re Lei­stun­gen»).

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* Als Sai­son­be­trie­be gel­ten:

1) Betrie­be, die nur wäh­rend bestimm­ten Zei­ten des Jah­res geöff­net sind und eine oder meh­re­re Hoch­sai­son­zei­ten auf­wei­sen;
2) Betrie­be, die das gan­ze Jahr geöff­net sind und eine oder meh­re­re Hoch­sai­son­zei­ten von gesamt­haft min­de­stens 3 und höch­stens 9 Mona­ten gemäss fol­gen­der Berech­nung auf­wei­sen: Hoch­sai­son­zei­ten sind die Mona­te, deren durch­schnitt­li­cher Monats­um­satz wäh­rend den Mona­ten der Hoch­sai­son min­de­stens 35% höher ist als der durch­schnitt­li­che Monats­um­satz in den übri­gen Mona­ten (Kom­men­tar im L‑GAV zu Art. 15 Ziff. 1).

** Ein Klein­be­trieb beschäf­tigt neben dem / der Arbeit­ge­ben­den nicht mehr als 4 Vol­l­­zeit-Mit­ar­­bei­ten­­de oder 6 Teil­­zeit-Mit­ar­­bei­ten­­de, inkl. Fami­li­en­mit­glie­der (Kom­men­tar im L‑GAV zu Art. 15 Ziff. 1).

  • Mit­ar­bei­ten­de haben Anspruch auf 2 Ruhe­ta­ge pro Woche, die mög­lichst zusam­men­hän­gend gewährt wer­den sol­len (L‑GAV Art. 16).
  • Ruhe­ta­ge müs­sen in Jah­res­be­trie­ben 2 Wochen im Vor­aus fest­ge­legt wer­den, in Sai­son­be­trie­ben 1 Woche (L‑GAV Art. 16, Ziff. 4).
  • Mit­ar­bei­ten­de haben Anspruch auf 5 Wochen Feri­en pro Jahr (35 Kalen­der­ta­ge) und einen antei­li­gen Feri­en­an­spruch bei einem ange­bro­che­nen Arbeits­jahr.
  • Feri­en sol­len mög­lichst zusam­men­hän­gend gewährt wer­den, wobei min­de­stens 2 Wochen zusam­men­hän­gen müs­sen (L‑GAV Art. 17, Ziff. 1–3).
  • Für Stun­den­l­ohn­mit­ar­bei­ten­de müs­sen Feri­en und Fei­er­ta­ge sepa­rat aus­ge­wie­sen wer­den, falls sie abge­gol­ten wer­den (Kom­men­tar zu L‑GAV Art. 10, Ziff. 2).
  • Teil­zeit­mit­ar­bei­ten­de haben den­sel­ben Feri­en­an­spruch wie Voll­zeit­mit­ar­bei­ten­de und erhal­ten wäh­rend der Feri­en ihren gesam­ten Brut­to­lohn (Kom­men­tar zu L‑GAV Art. 17).
  • Zusätz­lich haben Mit­ar­bei­ten­de Anspruch auf 6 bezahl­te Fei­er­ta­ge pro Jahr (L‑GAV Art. 18).
  • Jah­res­be­trie­be müs­sen mit Mit­ar­bei­ten­den min­de­stens 2 Wochen im Vor­aus für 2 Wochen, Sai­son­be­trie­be 1 Woche im Vor­aus für 1 Woche, Arbeits­plä­ne erstel­len. Ände­run­gen müs­sen, aus­ser in drin­gen­den Fäl­len, abge­spro­chen wer­den (L‑GAV Art. 21, Ziff. 1).
  • Arbeit­ge­ben­de sind ver­ant­wort­lich für die Erfas­sung und Auf­be­wah­rung der Arbeits­zeit­un­ter­la­gen, auch wenn die­se Auf­ga­be an Mit­ar­bei­ten­de dele­giert wur­de (Kom­men­tar zu L‑GAV Art. 21).
  • Mit­ar­bei­ten­den­wün­sche sind bei der Arbeits­pla­nung und Ände­run­gen zu berück­sich­ti­gen, solan­ge dies mit den Betriebs­in­ter­es­sen ver­ein­bar ist. Bei drin­gen­den Ände­run­gen müs­sen die Mit­ar­bei­ten­den schnell infor­miert wer­den (Kom­men­tar zu L‑GAV Art. 21).
  • Mit­ar­bei­ten­de haben im unge­kün­dig­ten Arbeits­ver­hält­nis Anspruch auf 3 bezahl­te Wei­ter­bil­dungs­ta­ge (Bil­dungs­ur­laub) pro Jahr, ab 6 Mona­ten Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit, rück­wir­kend für 3 Jah­re.
  • Von Arbeit­ge­ben­den ein­sei­tig ange­ord­ne­te Aus- und Wei­ter­bil­dun­gen gel­ten nicht als Bil­dungs­ur­laub (L‑GAV Art. 19, Ziff. 1–4).
  • Mit den Betriebs­bei­trä­gen an den L‑GAV wird z. B. die Aus- und Wei­ter­bil­dung im Gast­ge­wer­be unter­stützt (L‑GAV Art. 35, lit. i). Damit wer­den z. B. Kurs­ko­sten, Prü­fungs­ge­büh­ren und Lohn­er­satz bei fol­gen­den Aus- und Wei­ter­bil­dun­gen über­nom­men (Kom­men­tar zu L‑GAV Art. 35):
    • Sprach­kur­se (fide)
    • Pro­­gres­­so-Kur­­se
    • berufs­be­glei­ten­de Abschlüs­se der beruf­li­chen Grund­bil­dun­gen mit eidg. Berufs­at­test (EBA)
    • berufs­be­glei­ten­de Abschlüs­se der beruf­li­chen Grund­bil­dun­gen mit eidg. Fähig­keits­zeug­nis (EFZ)
    • eid­ge­nös­si­sche Berufs­prü­fun­gen
    • eid­ge­nös­si­sche Höhe­re Fach­prü­fun­gen
    • höhe­re Fach­schu­len NDS
  • Mit­ar­bei­ten­de erhal­ten unter bestimm­ten Bedin­gun­gen bezahl­te freie Tage (L‑GAV Art. 20):
    • Hoch­zeit / Ein­tra­gung Part­ner­schaft: 3 Tage
    • Hoch­zeit von Eltern, Kin­dern, Geschwi­stern: 1 Tag
    • Vater­schafts­ur­laub: 5 Tage
    • Todes­fall in der engen Fami­lie: 1 — 3 Tage
    • Mili­tä­ri­sche Rekru­tie­rung: Bis zu 3 Tage
    • Umzug inner­halb der Regi­on: 1 Tag
    • Umzug in wei­ter ent­fern­te Regi­on: 1,5 — 2 Tage
    • Nach Kün­di­gung für die Stel­len­su­che: Bis zu 2 Tage